Turbo Chameleon 64

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Turbo Chameleon 64Das Turbo Chameleon 64 – mehr als nur ein C64 Modul!

Im Dezember 2012 war ich auf der Suche nach einer Möglichkeit, von einer SD-Karte Diskettenimages direkt am C64 verwenden zu können. Da ich keinen Rechner mit Parallelport mehr besitze, war ich nicht mehr in der Lage mit meinem alten Transferkabel und Star Commander die Dateien vom PC zur 1541 zu übertragen. Meine Suche führte mich zunächst zum MMC Replay. Dies vereinte die Möglichkeiten des MMC64 (SD-Kartenleser) und des Retro Play (ein Klon des früher beliebten „Action Replay„) in einem C64-Modul. Eigentlich war ich damit am Ziel, aber das MMC Replay wird nicht mehr produziert und so bin ich dann auf den Nachfolger gestoßen: Turbo Chameleon 64!

Turbo Chameleon 64 inkl. Kabelpeitsche in der Dockingstation
Turbo Chameleon 64 inkl. Kabelpeitsche in der Dockingstation

Ich war sofort Feuer & Flamme. Der Preis von 200,- Euro und die Tatsache, dass es sich um eine Vorabversion handelt konnten mich nicht abschrecken.
Auf den ersten Blick wirkt das Turbo Chameleon 64 wie ein weiteres C64 Modul. Es vereint zunächst die Möglichkeiten der eben genannten Module. Man hat also ein Freezer-Modul mit eingebautem Monitior, um den Speicher zu erkunden und kann SD-Karten direkt am C64 lesen.

 

Turbo Chameleon 64
Turbo Chameleon 64
Turbo Chameleon 64
Turbo Chameleon 64

Wer einen Blick aufs Gehäuse wirft, entdeckt aber neben dem SD-Karten-Slot noch eine Reihe weiterer Anschlüsse und jetzt wird es wirklich interessant! Man kann den C64 z. B. per VGA-Kabel an einen Monitor oder Fernseher anschließen. Auch ein Klinkenstecker als Tonausgang ist vorhanden, hier werkelt auf Wunsch sogar ein Stereo-SID. Dann gibt es noch einen USB-Anschluß um das Modul an den PC anzuschließen und eine ‚Multifunktionsbuchse‚ an die eine Kabelpeitsche angeschlossen wird. Diese ermöglicht den Anschluß einer PS/2 PC-Tastatur & Maus, außerdem findet hierüber die Stromversorung (USB) statt und eine IEC-Buchse ist ebenfalls vorhanden. Natürlich gibt es einen Filebrowser damit ihr eure Diskettenimages durchsuchen könnt. Ein Turbo-Modus ist ebenfalls vorhanden, dann wird der ‘nachgebaute‚ 6510 bis zu 9x schneller getaktet. Außerdem dient das Modul als Speichererweiterung, dabei werden Geo-RAM bis 4MB bzw. REU bis 16MB zyklengenau nachgebildet.

 

Das Innenleben
Das Innenleben: Die Batterie (CR-1220 / links unten) müsst ihr zusätzlich erwerben und selbst einsetzen. (Außerdem findet ihr hier auch die Antwort auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest„)

Das Modulgehäuse ist übrigens für die Aufnahme eines RR-NET MK3 vorbereitet. Dabei handelt es sich um eine Netzwerkkarte für den C64. Diese Erweiterung wird normalerweise an den (Modul-)Expansionsport des C64 gesteckt, da dort aber das Turbo Chameleon 64 (TC64) seinen Platz findet, kann das RR-NET direkt auf das TC64 (an den Uhrenport) gesteckt werden und verschwindet so komplett im quietsch gelben Gehäuse. Das weist dazu zwei Bohrungen für die LEDs an der Oberseite und eine Aussparung für die RJ-45-Buchse an der Seite auf.

 

Damit aber nicht genug:
Das  TC64 kann auch einzeln ohne C64 betrieben werden! Dann benutzt ihr den USB-Stecker der Kabelpeitsche, um das Modul über ein USB-Steckernetzteil mit Strom zu versorgen. Das Netzteil ist nicht enthalten, ihr solltet darauf achten, dass es min. 1A liefern kann (mehr schadet aber auch nicht 😉 ). Das TC64 simuliert dann einen kompletten C64 inkl. Floppy. Dabei kommt aber keine verquaste Kombination aus abgespeckten Linux mit Emulator zum Einsatz. Im TC64 steckt ein FPGA, um genau zu sein ein Cyclone III von Altera (ist auch oben im Bild zu erkennen).

Mit FPGA für die Zukunft gewappnet
Die Abkürzung steht für Field Programmable Gate Array, was soviel wie im (Anwendungs-)Feld programmierbare Logik-Gatter-Anordnung bedeutet.
Wie ihr wisst, besteht eine CPU aus einer Vielzahl an Transistoren, diese bilden dann z. B. Logikeinheiten (UND, ODER usw.) und diese zusammen ergeben dann wiederum die CPU. Ein FPGA erlaubt es euch jetzt sozusagen ‚Hardware‚ zu programmieren, d. h. per Software bildet ihr die CPU im FPGA nach. Dabei läuft im Chip dann aber keine Softwareemulation, sondern es wird eine „Verdrahtung„ wie bei einer richtigen CPU vorgenommen. Der Unterschied ist nur, dass die Verdrahtung beliebig geändert werden kann.  Daher ist es auch kein Problem, dass es sich beim aktuellen TC64 um ein Vorserienmodell handelt. Jede Hardwareänderung kann per Update in den FPGA-Chip gespielt werden. Die Idee der FPGAs ist übrigens nicht neu, schon in den 60‘er haben Ingenieure das Prinzip entwickelt, aber erst seit den 90‘er wurde es tatsächlich möglich und findet jetzt immer häufiger Anwendung.

 

Wenn man das TC64 standalone betreiben möchte bietet sich noch die Docking-Station für 25,- Euro an. Diese bietet einen festen Halt für das Modul, außerdem könnt ihr eine original C64- bzw. Amiga 500-Tastatur anschließen und habt vier Joystick-Ports.


 

Kommen wir zum letzten und in meinen Augen wichtigsten Highlight:
Das Turbo Chameleon 64 ist offen für eigene Erweiterungen! Es bietet insg. 16 Plätze für FPGA-Kerne (Cores). Man kann so z. B. auch noch einen ZX Spectrum und/oder einen Amiga ins Modul packen. Hieran könnt ihr auch die Power der Technik erkennen, sie reicht aus einen kompletten Amiga (sogar mit 68010 oder ‘20er Prozessor) per Hardware nachzubilden. Die verschiedenen Cores sind teilweise sehr wählerisch bei der SD-Karte. So nimmt der original C64-Core anstandslos eine 8GB SDHC Karte von Samsung. Der Amiga- und Spectrum-Core verweigert damit aber die Arbeit, mit einer 512MB Sandisk-Karte klappt es aber zu mindest beim Spectrum. Der Amiga-Core verweigerte allerdings auch damit seinen Dienst. Auch der Tipp aus der ReadMe vom MiniMig die Karte mit dem Panasonic-SD-Kartentool zu formatieren blieb erfolglos.
Es gibt außerdem noch Umsetzungen von bekannten Automaten-Spielen, wie z. B. Pacman oder Moon Patrol, die als FPGA-Core vorliegen.
Wer jetzt auch etwas mit FPGAs machen möchte, der kann sich freuen. Die Softwarehersteller bieten ihre eigentlich verdammt teuren Entwicklungspakete mittlerweile kostenlos an. Mit diesen kann man in der Regel für kleinere FPGA-Chips Projekte entwickeln, beispielhaft möchte ich hier mal die Quartus II 15.0 Web Edition von Altera erwähnen.

Docking-Station inkl. Skin
Um nicht den Überblick bei den ganzen Cores zu verlieren, bieten sich Skins an.

 

Ich möchte das Turbo Chameleon 64 nicht mehr missen und kann nur jedem Retro-Fan (nicht nur C64-Anhängern) empfehlen mal einen Blick darauf zu werfen. Aktuelles erfahrt ihr auch in der entsprechenden Yahoo! Group zum Turbo Chameleon 64.

Seit 23. Mai 2013 gibt es eine offizielle Wiki-Seite von Individual Computers. Diese sollte euer erster Anlaufpunkt bei Fragen rund ums Turbo Chameleon 64 sein!

Update 18.12.13:
Das Turbo Chameleon 64 ist bis auf weiteres nur im eigenen Shop von Individual Computers zu bekommen (s. ‚Turbo Chameleon 64 wieder lieferbar!‚), außerdem könnt ihr mittlerweile das RR-NET MK3 vorbestellen.

 

 


Schrott!!Naja...Geht so...Ganz gut...SUPER! (3 Bewertungen | Ø 4,33 von 5 | 86,67%)

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